Wenn ich meine Runden Warhammer Fantasy Rollenspiel leite, nutze ich inzwischen für Kampfsituationen Figuren. Das heißt ich baue den Kampf-Schauplatz mit Tabletop-Mitteln nach und meine Spieler haben alle eine eigene Mini für ihren Charakter, die sie immer wieder verwenden.
Für Spielleiterinnen und Spielleiter, die darüber nachdenken, ihre Kämpfe ebenfalls zu visualisieren, möchte ich hier einen System-agnostischen Überblick bieten.
Eyecandy vs. Theatre Of Mind
Jegliche Form der Visualisierung hat Vor und Nachteile. Aus taktischer Sicht schafft es Klarheit. Wer steht wo? Wer hat Sichtlinie, wer hat Deckung? Aus ästhetischer Sicht kann eine schöne digitale Landschaft per VTT (Virtual Tabletop) oder eine schön gestaltete Tabletop-Szene aus Figuren und Gelände ein Augenschmaus sein.
Aber es hat auch seine Nachteile. Manche bevorzugen gar keine oder eine sehr puristische Darstellung, um sich von ihrer eigenen Fantasie und von der Story nicht ablenken zu lassen. Wenn die SL nicht darauf achtet, kann aus einer schön beschriebenen Kampfszene ein „ich geh da hin/ich greif den an“ (Spieler deutet auf den Tisch) werden.
Der Wow-Effekt einer nett gestalteten Tabletop-Szene hat wiederum seinen ganz eigenen Reiz. Doch die Arbeit, die die SL sich damit macht, ist immens höher. Bevor man als SL in dieses Rabbit-Hole steigt, ein paar Worte zu den Varianten.
Digital
Mit Virtual Tabletop-Lösungen wie roll20, FoundryVTT, D&D Beyond usw. kann man auch vor Ort spielen. Die Systeme bieten Lösungen für Multisession, bei der ein User alle Charaktere steuern kann oder es bringt sich jeder ein Tablet oder Laptop mit. Ich hatte zu diesem Zwecke sogar mal einen Spieltisch gebaut, aus einem rechteckigen Wohnzimmertisch mit Glasplatte und einem 40″ Fernseher, den ich unter die Glasplatte gelegt habe. Ich persönlich bin kein Fan (mehr) von digitalen Medien bei einer Tischrollenspielsitzung. Meine Wertschätzung gilt Stift und Papier und handbemalten Figuren. Aber das ist halt meine persönliche Vorliebe.
Battlemats
So habe ich mal angefangen. Mit der guten alten Chessex Battle Mat (ca. 60cm²) und Chessex Mega Mat (ca. 90cm²) und ein paar non permanent Markern. Dafür habe ich seinerzeit Hexfelder zum Ausdrucken erstellt, mit genau der Anzahl Felder wie bei den Chessex Matten. So konnte man auf Papier schon einmal vorzeichnen. Das System ist puristisch, lässt noch Raum für die eigene Fantasie. Auf dem ersten Foto sieht man noch neutrale Spielfiguren.

Später ging es dann schon los, dass die Spieler wie gesagt eigene, bemalte Figuren hatten und für die Gegner alles mögliche zum Einsatz kam. Auch habe ich angefangen, mit Ausdrucken zu experimentieren. Die Fotos sind von 2018. Gespielt wurde Savage Worlds: Hellfrost

Papier
Ein System, welches ich nicht ausprobiert habe, was aber immense Vorteile hat, ist „Papercraft“. Das heißt, anstatt dreidimensionale Figuren zu verwenden und ggf. zu bemalen, wird alles einfach ausgedruckt. Das ist günstig, flexibel und schnell und bietet auch nette Ergebnisse. Hier ein Artikel, der einige Beispiele zeigt.

Spieler der dritten Edition Warhammer Fantasy Rollenspiel werden die fertigen Papp-Standees für NSC noch kennen:

Firmen wie Battle Systems bieten vorgefertigtes, bedrucktes Papier-Gelände an, welches man zusammenstecken kann.

Tabletop
Tabletop ist im Grunde ein eigenes Hobby, entweder nutzt Du Figuren und Gelände nur fürs Rollenspiel oder Du spielst zusätzlich auch noch Tabletop-Spiele wie Mordheim, WarCrow, Freebooters Fate und die ganzen Warhammer-Varianten. Vieles davon kannst Du sehr gut für Rollenspielkampagnen nutzen, sei es für den Platzhirsch Dungeons & Dragons oder beispielweise für Das Schwarze Auge oder das Warhammer Fantasy Rollenspiel.
Jetzt wo Games Workshop mit „The Old World“ ihre Alte-Welt-Linie wiederbelebt hat, findest Du für das Warhammer Fantasy Rollenspiel auch noch mehr passende Figuren als zu Zeiten, in denen es nur Age Of Sigmar gab.
3D Druck
Gelände lässt sich gut mit PLA Druckern (also Plastik) drucken, für Figuren sind Stand 2026 noch eher Resindrucker notwendig um die kleinen Details gut erkennen zu können. 3D Druck ist inzwischen einfacher und leichter zugänglich geworden. Insbesondere PLA Drucker sind in der Handhabung inzwischen massenkompatibel.
Hier ein mit PLA Drucker gedrucktes Haus:
Diese Figur habe ich mir mal bestellt, weil ich eine Figur mir Degen und Parierdolch brauchte. Sie wurde mit Resin Drucker gedruckt (inklusive Base), das Fass im Hintergrund ist PLA, man erkennt die typischen Rillen, für Figuren wäre das wie gesagt eher nichts.
Figuren
Man kann nicht über Tabletop Spiele sprechen, ohne Games Workshop zu erwähnen, die Firma hinter Warhammer. Original Warhammer Figuren sind teuer. Vergleichbar mit LEGO. Wie bei den Klemmbausteinen gilt auch hier die Daumenregel: Je größer die Box, desto mehr Figuren pro Euro erhält man. Am teuersten sind in der Regel Einzelfiguren.
Einstieg ins Figuren-Game
Was braucht man fürs Rollenspiel? Nun, die typischen Gegner bzw. Monster natürlich. Man kann sich langsam einen Grundstock an Figuren aufbauen, so habe ich es gemacht, klein angefangen und dann über die Jahre immer mehr gesammelt. Die müssen ja auch gar nicht gleich angemalt werden. Ich habe geschaut, welches Abenteuer ich als nächstes meistere und was für Monster ich dafür brauche. Ist man nicht an vorgefertigte Abenteuer gebunden, wird es eher einfacher, denn dann kann man auch einen Grundstock an Monstern kaufen, und sie in seine Abenteuer einbinden.
Monster
Ein Beispiel, wo man richtig viele Monster für (verhältnismäßig) kleines Geld erhält, sind Dungeon Crawler Spiele, zum Beispiel geht die erste Edition von Descent (das ist die mit der länglichen Box) für 50-100€ bei eBay weg. Darin enthalten sind schon mal einige Monster:

Die Figuren in der vordersten Reihe kann man problemlos als Warhammer-Tiermenschen nehmen, Die Riesenspinnen kann man auch immer gebrauchen. Die Riesen gehen bei Warhammer als Oger oder Trolle durch (für Riesen sind sie zu klein). Es sind auch einige Helden enthalten, die sind aber im Vergleich zu Warhammer Figuren etwas klein (Beispiel für bemalte Figuren).

Ein weiterer sehr guter Deal für einen Grundstock an Monstern (und auch Möbelstücken für Dungeons) ist das neue HeroQuest (hier bereits bemalt). Checkt auf jeden Fall zuerst Kleinanzeigen, bevor ihr es neu bestellt!

Zombies, Skelette, Chaoskrieger, Orks, Goblins und so weiter.
Für eine Untoten Kampagne sei noch Zombicide Black Plague erwähnt, hier ein paar Bilder. https://cabanaminis.com/zombicide-black-plague/
Schläger (Thugs)
Man kann im Grunde sagen, je mehr „Basic“ eine Figur ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie wieder auf den Tisch kommt. Ein paar meiner „Schläger“ zum Beispiel halten da sicher den Rekord, die kann man als SL immer mal wieder gebrauchen, für Tavernenschlägereien, Hinterhalte in Seitengassen, Dorfaufstände, Wegelagerer und so weiter. Hierfür eignet sich die Townsfolk-Reihe von Reaper Miniatures zum Beispiel sehr gut.


Bemalen und Gelände basteln
Wenn ihr Euch mit dem Thema beschäftigen wollt, dann ist Youtube ein unendlicher Quell an Informationen und Tutorials. Es gibt sehr viele (englischsprachige) Channels, die alles mögliche zeigen. Ein guter deutscher Kanal, der viel Grundlagenwissen vermittelt, ist Tabletop Workshop. Wenn ihr hier nach „Beliebt“ sortiert, findet ihr genau diese Grundlagenvideos.
Auch ich habe schon Artikel dazu veröffentlicht.
Eine Auswahl an Fotos von meinen Sitzungen:
Zum Abschluss noch ein Video von einem Aufbau, den ich vor einiger Zeit für einen „Bossfight“ gebaut habe:
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